Ein  Aufruf an uns Frauen von Mina Ahadi, der sich gegenwärtig insbesondere an unsere tunesischen und arabischen Schwestern richtet. Er wurde in Anbetracht der Rückkehr von Rachid Ghannouchi nach Tunesien geschrieben. Die mutigen tunesischen Frauen verdienen unsere Solidarität und es betrübt und ärgert mich sehr, dass sich die Medien nun fast alle nur noch mit Ägypten beschäftigen.



01.02.11

Liebe  Schwestern !

Ich  schreibe diesen Aufruf im Namen von Millionen Frauen im Iran, im Irak  und in  Afghanistan.
Insbesondere  aber schreibe ich diesen offenen Brief im Namen von Millionen  Frauen aus dem  Iran, die seit mehr als dreißig Jahren die systematische  Unterdrückung und  Entrechtung durch einen islamistischen Gottesstaat am  eigenen Leib erfahren.

Unser  Schicksal liest sich wie ein aufgeschlagenes Buch und enthält eine  zentrale Lehre:

Widerstrebt  den Bemühungen der islamistischen Kräfte in Euren Ländern, an  die Stelle der  alten Diktatoren zu treten und Euch unter das Joch der  Scharia zu zwingen.

In  Euren Ländern sind große Teile der Bevölkerung auf die Straße gegangen,  um gegen  die Fortexistenz der diktatorischen Regime zu protestieren. Damit  wurde ein  revolutionärer Prozess ausgelöst, in dessen Zentrum der Kampf  gegen schreiende  soziale Gegensätze, Korruption, Gewalt,  Menschenrechtsverletzungen und Folter,  für demokratische Grundrechte und Freiheiten steht.
Damit  zielt Eure Revolution auf einen Übergang von autokratischen  Verhältnissen in  eine moderne Gesellschaft ab, in der demokratische  Verfassungsgrundsätze wie die  wirkliche Trennung von Religion, Staat, Recht und  Privatsphäre gelten, wo das  Prinzip der Volkssouveränität sowohl das Prinzip der  despotischen  Willkürherrschaft als auch das Prinzip der diktatorischen  Gottessouveränität  überwindet.

Es  darf nicht noch einmal passieren, dass wie im Iran der Sturz des  autokratischen  Schahregimes letztendlich von den Islamisten gekapert wird. Dort  wurde die  Aufstandsbewegung von den Gottesfanatikern Khomeinis zunächst  allmählich  infiltriert und hegemoniert und schließlich abgewürgt, während die säkularen  Akteure am Ende massakriert wurden.

Der  tunesische Islamistenführer Rached Ghannouchi gibt sich nach seiner  Rückkehr aus  dem französischen Exil „moderat“ und sagt: „Ich bin nicht  Khomeini.“ Aber auch  Khomeini, der ebenfalls aus Paris in den Iran zurückkehrte,  erklärte zunächst  nonchalant, dass er für die Gleichberechtigung der Frauen sei. Als er dann aber  die Macht erobert hatte, richtete sich sein erster  Schlag gegen die Frauen. Auch  in Ägypten halten sich die Muslimbrüder fast schon auffällig zurück und schieben  zunächst El Baradei als Übergangsperson vor.

Liebe  Schwestern!
Die  blutige Unterdrückung der iranischen Protestbewegung gegen die manipulierten  Wahlen vom Juni 2009 hat erneut die barbarische Gewalttätigkeit der  islamistischen Kräfte unter Beweis gestellt. Allein im Januar 2011 hat das  islamistische Regime im Iran 102 Menschen hingerichtet. Darunter war auch  die  Holländerin Zahra Bahrami, über die das Regime verlautbaren ließ, die holländische Regierung müsse dankbar dafür sein, dass eine Drogenhändlerin  hingerichtet worden sei. Tatsächlich aber war Zahra Bahrami wegen des Besuchs ihrer Kinder im Iran und hatte während dieses Aufenthalts an einer  Protestkundgebung gegen das islamische Mörderregime im Iran teilgenommen. So  also sieht Islamismus aus, wenn er die Macht innehat und nicht mehr taktische Täuschungsmanöver ausführen muss. Islamismus an der Macht bedeutet brutalste Frauenunterdrückung und Errichtung eines religiösen  Volksgefängnisses mit  mittelalterlichen Zügen. Deshalb  möchte ich Euch eindringlich darauf hinweisen: Lasst den  Islamisten keine  Chance! Islamische Organisationen sind Gift für Eure Bewegung!

Wir  Frauen aus dem Iran haben umfangreiche Erfahrungen mit der barbarischen  islamistischen Bewegung, die beständig Steinigung, Hinrichtung, Kopftuchzwang  und Erniedrigung auf ihre Tagesordnung setzt.
In  diesem Sinne wünschen wir Euch alles Gute und übermitteln Euch unsere  solidarischen Grüße

Mina Ahadi
International Committee against Execution
International  Committee against Stoning
Email: minaahadi@aol.com
Tel: 0049 (0)  1775692413
http://notonemoreexecution.org
http://stopstonningnow.com/wpress/


siehe auch: [Propaganda der Ayatollahs des Iran; Gift für eine emanzipatorische Bewegung]