Für die Überwindung aller patriarchalen Diktaturen !

Zur Zeit wird viel über Inhalt und Zweck, Sinn und Unsinn von Demokratie gesprochen. Gut, beginnen wir auch diesen Text damit:

Eine wirkliche Demokratie sollte unser Leben (darin enthalten: unsere Gesundheit) schützen und uns eine Selbstbestimmung ermöglichen, die Entfaltung von Bildung, Kultur, Wohlbefinden, Frieden und Freiheit garantiert. Davon ist jedoch in einer Welt, die durch die patriarchalen Sachzwänge des Kapitals und seiner Krise, Militär und Gewalt bestimmt wird, nichts zu spüren.
Im Gegenteil: Insbesondere wir proletarischen Frauen werden unter der „Dominanz des reichen und machtgierigen Mannes“ und für seine Interessen immer noch ausgebeutet, vergewaltigt, verstümmelt, gefoltert, hingerichtet, ausgegrenzt, an „Heim und Herd“ verbannt, zu Gebärmaschinen gemacht, zur Prostitution gedrängt, zwangsverheiratet, unserer Identität beraubt, in Billigstlohnbereiche gedrängt und für politisch unmündig erklärt.

„Demokratie“ und „Menschenwürde“ ist für uns ein inhaltsleeres Wort. Denn wenn wir sie für uns innerhalb unserer Arbeit oder in den Ämtern der Bürokratie, auf der Straße, gegenüber unseren Hausbesitzern und/oder in der patriarchalen Familie bzw. innerhalb des Clans für uns reklamieren, müssen wir mit nicht nur mit Repressionen und Bestrafungen, sondern viele von uns gar mit Ehrenmord rechnen.

Unsere Solidarität gilt deshalb insbesondere den mutigen Frauen im Iran, die seit etlichen Jahren schon Widerstand gegen das menschenverachtende Ayatollah-Regime mit seiner Scharia leisten.

Viele von uns Frauen – insbesondere in China – reagier(t)en jedoch mit Suiziden auf das verhinderte Leben. Doch diese bewirkten in China ein Erwachen aus der Ohnmacht und lösten im letzten Jahr  langandauernde Streikbewegungen in Chinas Industriezentren aus, die dazu führten, dass die Löhne in den Streikzentren der Automobil- und Elektronikindustrie um ca. 45% angehoben wurden.

Vielleicht mehr der verzweifelt Abschiedsbrief von Mohamed Bouazizi – den er auch in „Facebook“ publizierte - als seine Selbstverbrennungaktion lösten im Dezember letzten Jahres den Aufstand in Tunesien aus. Diese Revolte – an der sich auch sehr viele Frauen aktiv beteiligten – zeigte sich wie ein schönes Lichtzeichen im Tunnel der alltäglichen GRAUsamkeit und beflügelte uns, unsererseits wieder mit dem Emanzipationskampf für ein gutes Leben für uns und unsere Töchter zu beginnen. Und so waren viele von uns seit ende Januar fast täglich auf der Straße – auch um den Kampf gegen das Mubarak-Regime zu unterstützen. Nicht nur im Maghreb, sondern in vielen Ländern Afrikas stehen heute Frauen an der Spitze sozialer Bewegungen und fordern ein gutes Leben, Freiheit, Selbstbestimmung und Verfügung über die Produktionsmittel, die ihnen dies ermöglichen. Viele von ihnen nahmen an der „Karawane“ sowie in Dakar/Senegal am Weltsozialforum teil. Fern von den bürgerlichen Insitutionen hat sich also eine neue und emanzipatorische „Grassroots-Bewegung“ gebildet.

Um unserer Versklavung zu überwinden und uns unser Leben wieder anzueignen, müssen wir eine starke Streik- und Widerstandsbewegung organisieren. Diese sollte sowohl die Sklaverei an unseren Arbeitsplätzen thematisieren, als auch  unsere schlechten Reproduktionsbedingungen im Zeitalter des permamenten und sich ausweitenden Krieges skandalisieren.

Zunächst sollten wir für ein neues Streikrecht kämpfen, das uns dazu befugt, spontan gegen Niedriglohn, Mobbing, Rassismus und Sexismus am Arbeitsplatz, Diskriminierung, Hausfrauisierung 1, Leiharbeit und alle Formen der Prostitution2 vorzugehen.

Organisieren wir uns !

Nieder mit allen Diktaturen, auch der Diktatur der Ware-Geld-Beziehung !

8. März 2011

Kontakt: initiative menschliche emanzipation <menschl(dot)emanzipation(at)gmx(dot)de


(1) Hausfrauisierung bedeutet die Zurückdrängung von Frauen an Heim und Herd, die Tendenz,Gebärmaschinen aus uns zu machen, die Hausarbeit und Kinderbetreuung allein uns zuzuschieben, für den Familienhaushalt allein verantwortlich zu sein.

(2) Damit sind sog. weibliche Eigenschaften gmeint, wie:  In der Arbeit die feminine Zurichtung gratis mit zu liefern: immer nett lächeln, uns femin-sexy zu kleiden, unsere Haare als Frisur oder auch die Kopfbeckung [Kopftuch] gemäß patriarchaler Richtlinien zu gestalten, Dienstleistunge, wie Kaffe kochen, den Frühstückstisch zu decken, die Blumen zu gießen, den Dreck und die Unordnung des Chefs zu beseitigen etc.