ein lied vom/zum menschen

einmal, irgendwann...
ich weiß nicht, wann es sein wird,
nach hundert jahren vielleicht, vielleicht nach zweihundert,
werdet auch ihr, meine gefährt*innen,
die ihr mal links oder rechts neben mir geht
und deren sprache die meine war und nicht mehr die meine ist
und deren gezänk und ewiges genörgel
ich höre, ohne es zu begreifen,
und deren gespött ich bemitleide und deren gejammer ich verfluche
dem/der anderen gewichen sein,
dem/der kommenden, dem/der wirklichen, echten, seinen und ihren töchtern, söhnen, enkeln.

schwerfällig ist der mensch, verkrüppelt sind seine gefühle,
seine empfindungen verdorben.
eine dicke hornhaut trägt er über dem herzen.
wenn er sich einmal sehr freut, wenn er er selbst sein darf,
kommen ihm die tränen.
er traut dem ungemach, dem unglück, der bosheit,
und glaubt an das unentrinnbar schlimme schicksal mehr als an die liebe

tausend eide schwört er, daß es schiefgehen wird.
wenn er seine kinder betrachtet, umwölkt sich seine stirn.
seine kalendersprüche lauten:
"du sollst den tag nicht vor dem abend loben",
und:
"nichts ist schwerer zu ertragen,
als eine reihe von schönen tagen."

ein blauer himmel, ein seliger tag flößen
ihm angst ein.
wohin er auch geht, wo er auch ist, spürt er (und er beißt die zähne zusammen)
ich bin ein fremder,
wenn er zu gast sind, denkt er: "ich bin geduldet".
nichts fällt ihm schwerer, als danke zu sagen.
wenn er um etwas bittet verflucht er die notwendigkeit

aber ich habe den anderen gesehen!
und ich habe den anderen gespürt!
sing ihm, herz sing ihm!
ihm, über dessen stirn der morgen steht,
ihm, dessen sprache die freude ausdrückt, furchtlos der zukunft zugewandt!
ihm, den nur ein erschüttern überkommt,
wenn er zurück schaut.
sing ihm, herz sing ihm!

dein, mein lied wander*in !
dein mein lied, liebliche mexikaner*in, umhanggeschmückt!
und dein mein lied, schwester aus afrika, glühend lernende!

Euch sing ich dein-mein lied!
euch, überwindern der trübsal und des leidens
schöpferisch aufwachsend in wirklicher freiheit.
ihr, die ihr euch die weise philosophie
der erde angeeignet habt
und jubelnd ihre materialisierung feiert

euch sing ich mein lied,
meister*innen der saaten und ernten
architekt*innen und baumeister*innen
komponist*innen und maler*innen zugleich!

ich weiß nicht wann, irgendwann,
nach hundert jahren vielleicht,
vielleicht nach zweihundert,
wirst auch du anders sein,
du meine gefährt*in,
rechts und links neben mir.

an deinem lachen werde ich dich erkennen, du kommende,
auch wenn ich längst humus geworden sein werde,
daran, wie du die blumen pflücken wirst
und wie du sie bindest,
an deinem beflügelten schritt,
an deinem atem, der sich mit dem frühwind vermählt.

du wirst dich wieder über die quelle des lebens beugen,
die dein unentstelltes antlitz wiederspiegelt,
und deinen durst nach den freuden löschen.
wenn der mond aufgeht,
wirst du den wein der erfülltheit trinken.

wirst andere wünsche haben,
wünsche die nicht der neid und die not gebiert.
die wiege des neugeborenen wird das symbol
der neuen gemeinschaft sein.
    
dieses lied weihe ich den unverbesserlichen rebell*innen,
ihnen, den schöpferinnen des wirklichen und konkreten menschen,
der neuen gemeinschaft,
den verwirklichern der träume
der kinder und dichter.
  
glücklich, eine poet*in zu sein,
deren phantasien nicht phantasien bleiben,
deren träume nicht
im fieberwahn des mangels geboren wurden,
dessen bilder nicht im wüstenwind
der hoffnungslosigkeit zerrinnen!

irgendwann, ich weiß nicht wann,
aber hoffentlich bald
werde ich spüren, wie du meine hand
greifst,
und unsere seelen schwingen.
du, an meiner seite, dicht neben mir,
sodaß mein herz frohlockt,
fühle ich dich an meiner seite.
  
dich, du neue, du gewandelte,
du mensch mit dem entwölkten antlitz,
du schwester, du bruder,
du immer erwartete, immer erhoffter,
du unausbleibliche!

dieses lied widme ich
dem menschlichen gemeinwesen,
dessen triumph deine theorie,
dessen größe deine arbeit und kreativität,
dessen geburt du,
die kommende, der erfüllte, du wunderbare,
du mensch!

[Streik-organisations-aufruf] [Campanmeldung für Berlin]
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[Ware Mensch?]
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