Zwei Aufrufe erreichten mich am 4.2.11 via Email:
*Am Sonntag 6. Februar um 13 Uhr. Vor der ägyptischer Botschaft
–Stauffenbergstrasse 6 - 10785 Berlin (U- Potsdamer Platz)*
Hemayatgaran حمايتگران<http://www.facebook.com/pages/Hemayatgaran-hmaytgran/284064251981>
<http://www.facebook.com/notes/hemayatgaran-hmaytgran/solidaritatserklarung-mit-dem-agyptischen-volk/10150126981410867>
Solidaritätserklärung mit dem ägyptischen Volk
حمايتگران
von Hemayatgaran
حمايتگران<http://www.facebook.com/pages/Hemayatgaran-hmaytgran/284064251981>,
Samstag, 5. Februar 2011 um 13:38
Wir, die Hemayatgaran- für die grüne bewegung im Iran, erklären uns solidarisch mit dem ägyptischen Volk.
Das ägyptische Volk hat das Recht auf eine selbstbestimmte Zukunft.
Hier im Westen hieß es viel zu lange: lieber ein stabiles repressives
System, als eine unvorhersehbare Demokratie in der Region. Diese
Haltung macht uns zu Mittätern von einem Staat, der seine
Bevölkerung entmündigen möchte.
Der orientalische Raum ist eine Region, die immer mit Vorbehalt und im
islamischen Kontext betrachtet wird. Sie ist aber zu mehr fähig.
Vergessen wir nicht den Sommer 2009, in dem sich das iranische Volk, zu
Millionen gegen die Diktatur im eigenen Land ausgesprochen hat.
Menschen wurden in ihrem Freiheitskampf von der repressiven Regierung
brutal unterdrückt, Tausende zu politischen Gefangenen gemacht und
Hunderte getötet und
hingerichtet. Während dessen hat sich der Westen weitesgehend
zurückgehalten und zugesehen, wie die Miliz die Menschenrechte mit
Schlagstöcken uminterpretiert hat. Heute dauert der Freiheitskampf
im Iran an. Iranische Oppositionelle, Intellektuelle und breite
Volksgruppen erklärten sich in den vergangenen Wochen solidarisch
mit der ägyptischen Opposition.
Es scheint als würden Diejenigen, die die Demokratie
genießen, sie nur bedingt mit Anderen teilen wollen, während
Diejenigen, die um sie kämpfen müssen, sie als universell
betrachten.
Demokratie ist kein Luxus, der nur Denen zusteht, den wir es
gönnen. Demokratie ist ein universeller Weg auf den jede Nation
ein Recht hat. Der Weg zu einer selbstbestimmten, selbstverantworteten,
Staatspolitik und die Mitgestaltung der eigenen Zukunft.
Seit drei Jahrzenten ist Husni Mubarak im Amt. Zu lange schon wurde er
als Stabilitätspuffer in der Region toleriert und zum Freund des
Westens erklärt. Doch spätestens seit Beginn der Proteste
kann er sich nicht mehr als legitimer Amtsinhaber verstehen. Sein
Klammern an der Macht ist inakzeptabel und verstößt gegen
die Wünsche des ägyptischen Volkes.
Da wir, die Hemayatgaran, die demokratischen Werte als absolut
universell verstehen, erklären wir uns solidarisch mit der
friedlichen Opposition und den demonstrierenden Menschen Ägyptens.
Es liegt nicht an uns ihre Zukunft zu bewerten und nach unseren
Wünschen zu justieren. Wir müssen ihnen Mut geben und
Unterstützung zusichern, in ihrem Bestreben nach besseren
Lebensumständen und ein menschenwürdiges zusammenleben in
ihrer Heimat und
in der Region.
Wir rufen alle Berliner und Berlinerinnen, Gewerkschaften, Partein und
Organisation zu Teilnahme an der Kundgebung zur Solidarität mit
der ägyptischen Bevölkerung auf.
Wir laden Sie/ Dich ein.
Am Sonntag 6. Februar um 13 Uhr. Vor der ägyptischer Botschaft
–Stauffenbergstrasse 6 - 10785 Berlin (U- Potsdamer Platz)*
*Eine Aktion der Bünnis 90 Die Grünen und der Hemayatgaran - Berlin*
*Aufruf zur Kundgebung*
*Wir rufen alle Berliner und Berlinerinnen, Gewerkschaften, Partein und
Organisation zu Teilnahme an die Kundgebung zur Solidarität
mit der ägyptischen Bevölkerung auf.*
Wir laden Sie/ Dich ein.
*Am Sonntag 6. Februar um 13 Uhr. Vor der ägyptischer Botschaft
–**Stauffenbergstrasse 6 -** **10785 Berlin (U- Potsdamer Platz)***
Wir wollen auf dieser Kundgebung unsere Solidarität mit der ägyptischen Bevölkerung zum Ausdruck bringen.
Verantwortung für Ägypten zu zeigen, heißt
Rücktritt, Herr Präsident. Die Zeit drängt. Deshalb muss
der Druck von außen verstärkt werden
In der brutalen Eskalation der Situation in Ägypten zeigt sich
Mubaraks letztes Aufbäumen: Sein Regime provoziert Gewalt und
Unruhe, um Friedhofsruhe stiften zu können. Doch die Menschen in
Ägypten brauchen jetzt keine zynischen Machtspiele und schon gar
keinen "himmlischen Frieden", herbeigeknüppelt von den Vasallen
des Regimes. Stattdessen muss Mubarak unverzüglich den Platz frei
machen für die rasche Bildung einer Übergangsregierung und
den friedlichen Übergang hin zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Europa und die Internationale Gemeinschaft müssen dies endlich
klipp und klar so formulieren. An der Seite der Protestierenden zu
stehen heißt, eindeutig den sofortigen Rückzug Mubaraks zu
fordern. Westliche Politiker, die windelweiche Erklärungen
abgeben, um von den eigenen jahrzehntelangen Versäumnissen
abzulenken, empfinden die Ägypter zu Recht als Hohn. Merkel und
Westerwelle, Ashton, Obama sowie die anderen westlichen Demokraten
müssen den Druck gegenüber ihrem ehemaligen Verbündeten
Mubarak deutlich erhöhen. Dazu gehört es, dass die USA sofort
ihre Militärhilfen gegenüber Ägypten stoppen, die
westlichen Staaten
die ägyptischen Botschafter einberufen, die Auslandskonten
Mubaraks und seines Clans eingefroren sowie Reisebeschränkungen
für die Mitglieder des Regimes verhängt werden. Die
Bundesregierung muss dies durch ihren nichtständigen Sitz im
UN-Sicherheitsrat befördern.
Auch ist nun die Zeit der Selbstkritik. Europa und die westlichen
Staaten müssen das Scheitern ihrer Politik eingestehen, mit der
sie die eigenen Werte jahrzehntelang verraten haben. Der Versuch,
Stabilität ohne Demokratie und Rechtsstaat anzustreben, war ein
fataler Irrweg. Er führte letztlich zur Destabilisierung einer
ganzen Region – wie die derzeitigen Aufstände für
Demokratie und Freiheit in den arabischen Ländern zeigen.
Demokratie und Rechtsstaat sind keine bloßen Zugaben, sondern die
Fundamente politischer Stabilität.“
Kambiz Behbahani, iranische Dialogkreis
AG-Vielfalt der Grünen-Mitte
Hier meine Antwort:
Hallo,
ich melde eine kritische Reflexion an:
Ich weiss, dass im Iran seit 1979 vor allem zunächst
Kommunist*innen und Arbeiterintellektuelle verfolgt wurden. Daran hat
sich sogar die stalinistische Tudeh-Partei beteiligt. Wie in
Deutschland ab 1919 waren es auch im Iran vor allem Theoretiker*innen
und Führer*innen der Arbeiterbewegung, die besonders grausam
verfolgt und gefoltert sowie ermordet wurden.
Ihnen zum Andenken schreibe ich meine Kritik:
Ihr schreibt: "Solidarität mit dem ägyptischen Volk"...
Als ich mich mit deutschem Verfassungsrecht beschäftigte (u.a.
auch dem Verfasungsentwurf des Zentralen Runden Tisches) und viel Zeit
im Robert-Havemann-Institut und den juristischen Bibliotheken der Unis
und der Staatsbibliothek verbrachte und dort in
Jurisprudenz-Büchern las, stieß ich selbst bei konservativen
Rezeptionen und Reflexionen des Volksbegriffes auf: "Inhaltsleer, dient
nur der Legitimation des Herrschaftsanspruches".
Ich finde es "klasse", wenn selbst Konservative zugeben, was hinter bzw. in dem Volksbegriff steckt.
Ich ärgere mich außerdem, dass dieser Unbegriff:
"orientalischer Raum" in diesem Aufruf steht. Dies wirkt fast so, als
sollten "schlafende Hunde" geweckt werden. (1)
Der Aufruf ist kleinbürgerlich und aus dem Kleinbürgertum
entstand und entsteht auch der Faschismus. Das Kleinbürgertum
spielt sich lt. der Bonapartismustheorie auch gern als Ordnungsmacht in
sozialen Krisen auf und versucht sich opportunistisch an die Spitze zu
bringen, um dem Aufbegehren die Spitze abzubrechen.
Mit anderen Worten: Kleinbürger
brechen eine Lanze für die Bourgeoisie, der sie sich andienen.
Noch leben wir in einer Diktatur der Ware-Geld-Beziehung und unter
einer Dikatur der Bourgeoisie, die für ihre Profitinteressen
über Leichenberge geht.
Diese gilt es zu überwinden und es sollte uns vor allem darum gehen,
den globalen Amoklauf des Patriarchates zu stoppen.
Auch der Iran unter der Herrschaft der Ayatollah-Regierung ist
lebensbedrohlich; nicht für Kommunist*innen im Iran und dem Nahen
Osten, sondern auch innerhalb von Europa.
Eben deshalb bitte ich Euch, den
Aufruf von Mina Ahadi zu unterstützen und zu verbreiten.
Ansonsten schrieb ich gerade an eine Freundin:
(...) Es geht ja auch grundlegend im Mahgreb und in Afrika um eine Lebensverbesserung für die Menschen.
Selbst sogar gut gemeinte Phrasen setzen weder die Lebensmittelpreise runter noch die Löhne rauf.
Und bevor eine Umgestaltung möglich ist, müssen sich
zunächst Organisationen gründen, die ein emanzipatorisches
Programm haben, dies formulieren und sich anschließend damit der
Bevölkerung zuwenden, sie um Mitarbeit bitten UND die die Chance
haben, ohne Repression dafür zu werben. Enthält man ihnen
jedoch bereits die Mittel dafür vor, so bleiben wieder einmal die
Proletarier*innen (also die, denen es materiell (sprich: sozial) am
schlechtesten geht) außen vor.
Überhaupt wäre es gut, wenn die bloße Negation "Weg mit
Mubarak" sich in eine Negation der Negation transformiert, d.h. dass
die Bevölkerung innerhalb von Versammlungen dazu kommuniziert, wie
sie gern leben würde und definiert, was sie für ein
zufriedenes Leben braucht. Dies sollte als Aufgabe zur
Umsetzung//Realisierung an alle Arbeiter*innen formuliert werden.
Daraus könnten Bewohner*innen-Räte (Konsumtionsräte),
Arbeiter*innen-Räte, NGO's (zum Schutz wichtiger Ressourcen etc)
und eine neue emanzipatorischen Partei entstehen, in der aber die
Mitwirkenden schon keine "Politiker" mehr sind, sondern
Organisator*innen für ein gutes Leben. Die Pfaffen- und
Politikerkaste sollten wir uns einfach sparen, denn wir brauchen keine
Ideologien, sondern konkrete Lebensveränderungen.
Dies mag sich jetzt sehr basisdemokratisch anören, aber wenn
schon Demokratie, dann bitte von der Basis - und ganz von unten -
ausgehend und immer die Leute, die ganz schnell aufsteigen wollen -
zurückholen, denn sonst flattern sie im Höhenrausch davon wie
einst J. Fischer... (...), der in Genschers Fußstapfen
kinkelte. Aber daran erkennen wir auch: Politik verdirbt den Charakter.
Und damit stelle ich die Aufgabe sozialer Emanzipation und die
Transformierung des real existierenden Kapitalismus auch an uns, die
wir in Europa leben und wünsche mir von allen
Kleinbürger*innen, dass sie sich auch mal die Nöte und
Probleme proletarischer Menschen anhören und sich ihren Sorgen
widmen.
Die HartzIV-Gesetze - denen auch die "Grünen" zugestimmt haben,
brachte es mit sich, dass sich nun immer mehr Frauen prostituieren
müssen, nur um zu überleben. Erniedrigung, Versklavung und
Rassismus am Arbeitsplatz nimmt insbesondere auf dem 2. Arbeitsmarkt
gravierend zu. Wer das duldet, kann kein Demokrat sein und sollte zum
"Demokratisierungsprozess" im Ägypten lieber schweigen.
Dies gilt natürlich auch für Merkel und Co.
Mit kritischen Grüßen,
Alinka
--
(1) Zu "schlafende Hunde": Wenn "das Bellen der Köter den
zukünfigen Einzug der Gladiatoren ankündigt" (Heinrich
Heine), ist es fast schon wieder zu spät...